Ein neuer Herausforderer erscheint
Kann ein chinesisches Naked Bike den großen Namen die Show stehlen? Ola Stenegärd, Designdirektor bei Indian Motorcycle, weiß genau, für wen er entwirft. Indian-Fahrer halten ihre Motorräder selten hundertprozentig originalgetreu. Deshalb entwirft sein Designteam Motorräder wie eine leere Leinwand, die es Kunden ermöglicht, dort weiterzumachen, wo Indian aufgehört hat: die ultimative Custom-Maschine zu bauen.
QJMOTOR hingegen ist eine ganz andere Geschichte. Kein Erbe, keine Garagen-Tüftler-Fangemeinde. Wie gut ist also ein chinesisches Naked Bike aus Massenproduktion, wenn man trotzdem etwas Besonderes will? Zeit, mit der SRK 600 auf die Straße zu gehen.
Triumph, Indian, Ducati, BMW – alle Namen BikeBrewers Fan verbindet Custom-Kultur. Aber QJMOTOR? Wie bitte? Genau. QJMOTOR ist ein relativ neuer Name, der mit Hochdruck versucht, den europäischen Markt zu erobern. Unterstützt vom chinesischen Giganten Geely (ja, derselbe Konzern, dem auch Volvo, Polestar, Lotus und BYD gehören) ist QJMOTOR kein unseriöses Unternehmen. Tatsächlich wurde das Unternehmen bereits 1985 gegründet.
Lernen Sie den SRK 600 kennen
Sportliche Optik, überzeugende Ausstattung, günstiger Preis. Heute Morgen begrüßt mich Jan Ykema von Moto Mondo, dem QJMOTOR-Vertrieb in den Benelux-Ländern. Jan kommt direkt zur Sache: „Ich glaube, die Touring ist nicht das Richtige für Sie?“ Stimmt. Während die SRT 600 SX Touring und die 700 SX Touring für den niederländischen Markt sicherlich interessant sind, ist es die SRK 600, die sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Ein sportliches Naked Bike mit 61 PS starkem Paralleltwin, Brembo-Bremsen, Marzocchi-Gabel und einem Preis von 7,499 € in den Niederlanden (6,699 € in Belgien). Gute Optik, niedrige Betriebskosten und drei Jahre Garantie? Klingt nach einem guten Deal.
Aber nur ein gutes Geschäft zu sein, reicht nicht aus, um es auf die BikeBrewersWir möchten sehen, ob sich die SRK auch mit kleinem Budget in ein attraktives Custombike verwandeln lässt. Die Basis sieht vielversprechend aus, aber für Custombike-Liebhaber gibt es definitiv noch einiges zu tun.
Kundenspezifisches Potenzial für kleines Budget
Von fabrikneu zum Streetstyle mit wenigen Handgriffen. Die SRK 600 gibt es in zwei Farben: glänzendes Rot und Grau sowie in meinem persönlichen Favoriten, Schwarz mit goldenen Details für den kultigen John Player Special-Vibe. Das Bike sitzt gut auf den Rädern. Das Design wirkt etwas generisch, nicht übertrieben aggressiv. Kein Stummelheck oder wilde Streetfighter-Atmosphäre. Sie erinnert mich ein wenig an die Honda CB500. Zum Vergleich: Die Honda ist 700 € teurer und bietet 14 PS und 12 Nm weniger. Auf dem Papier bietet die QJ ein echtes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Natürlich wirst du keine 10 Dollar für die Individualisierung dieses Bikes ausgeben. Die Frage ist also: Kannst du diesem Naked Bike mit minimalem Budget eine persönliche Note verleihen? Etwas, mit dem du stilvoll durch den Verkehr fährst und in der Stadt parkst, ohne Angst haben zu müssen, dass Roller oder Hipster dein Bike umfahren.

Beim Umrunden des Motorrads fallen ein paar Dinge auf. Zuerst die riesigen Reflektoren. Zwar gesetzlich vorgeschrieben, aber mit diesen knalligen, bunten Speichenperlen erwecken sie den Eindruck eines Kinderfahrrads. Ab in die Tonne! Der hintere Nummernschildhalter sieht aus wie eine Plastikmarkise. Jedes Motorrad hat einen, aber dieser hier muss weg – verstauen Sie das Nummernschild direkt unter dem ordentlichen Heck. Dann ist da noch der Scheinwerfer. Es handelt sich um eine Projektoreinheit in einem Rahmen mit leuchtenden Streifen. Er ist einzigartig, und Darth Vader würde ihn lieben, aber als Custom-Fan sehne ich mich nach einem sauberen, runden, klassischen Scheinwerfer. Tauschen Sie den Auspuff gegen eine Retro-Dose mit etwas mehr Biss, nehmen Sie den Lenker von der verkleideten SRK 600 RS und ersetzen Sie die Spiegel durch etwas weniger „staatlich Gegebenes“.
Du hast ein paar Euro übrig? Lackiere die Räder goldfarben, passe den Fahrersitz an die Details an und schon hast du dein individuelles Alltagsauto. Klar, du könntest noch mehr machen, aber erstmal losfahren.
Erste Fahreindrücke
Tagsüber Stadtflitzer, Wochenend-Fahrer aus Leidenschaft. Wir starteten mitten in der Rushhour vom Twenty7 an der Maas in Rotterdam. Es fühlt sich an wie ein Setup, um zu zeigen, wie leicht und wendig das SRK ist. Mission erfüllt. Kupplung, Getriebe und Bremsen werden stärker beansprucht als die Marzocchi-Gabel oder die RideMigra S3N-Reifen. Dieses schlichte, schnörkellose Bike fühlt sich von der ersten Fahrt an wie ein alter Bekannter. Sanfte Kupplung, sichere Gangwechsel und ein mechanisches Klicken bei jedem Gangwechsel. Dank des Leergewichts von 176 kg ist das Manövrieren durch den Verkehr mühelos.
Außerhalb der Stadt überzeugt das leichte Fahrgefühl. Die 61 PS und 55 Nm ziehen kraftvoll durch, und die SRK schwingt mühelos von Kurve zu Kurve. Die nicht einstellbare Marzocchi-Gabel ist eher straff abgestimmt, was das sportliche Fahrgefühl verstärkt, aber insgesamt dennoch gutmütig ist. Der Sitz bleibt auch nach mehreren Stunden im Sattel bequem, und die Sitzposition ist perfekt. Das Display ist übersichtlich, leicht zu bedienen und ermöglicht den Wechsel zwischen Standard- und Sportmodus.
Final Verdict
Zuverlässig, erschwinglich und überraschend spaßig. Also, für wen ist dieses Motorrad geeignet? Ich liebe Tradition, Charakter und Motorräder mit Geschichte. Die SRK 600 ist kein Ersatz für eine klassische Ducati M900 Monster mit ikonischem Stil. Aber ich würde diese Ducati auch nicht in der Stadt parken lassen wollen. Die SRK hingegen hat drei Jahre Garantie und ist wirklich solide verarbeitet. Für mich ist sie ein ideales Alltagsrad, ein sorgenfreies Arbeitstier, das man überall parken kann und trotzdem jede Kurve auf dem Heimweg genießt.
Ein brandneues Fahrrad zum Schnäppchenpreis, und mit etwas mehr Budget wirst du es tatsächlich jeden Tag fahren wollen. Nicht schlecht, QJ. Gar nicht schlecht.








